Nachrichten

Klinikpersonal warnt vor Patientengefährdung wegen Personalnot

Klinikpersonal warnt vor Patientengefährdung wegen Personalnot

Beschäftigte der Krankenhäuser können wegen Überlastung nicht alle vorge-schriebenen und notwendigen Aufgaben ausführen. Darauf weist ver.di im Rahmen eines bundesweiten Aktionstags »Händedesinfektion« am Dienstag (12. September 2017) hin, an dem sich auch Beschäftigte des Universitätsklini-kums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck beteiligen. Stationsteams aus etlichen Krankenhäusern in ganz Deutschland werden sich an diesem Tag demonstrativ die Zeit einfordern, um ordnungsgemäß die Hände zu desinfizieren. Die Arbeit-geber sind aufgefordert, das dafür nötige Personal zur Verfügung zu stellen. »Wir machen damit am Beispiel der Händedesinfektion deutlich: Wenn die Pfle-gekräfte überlastet sind, bleibt etwas auf der Strecke«, erläutert ver.di-Sekretärin Magda Tattermusch »Das kann die Sicherheit der Patientinnen und Patienten gefährden«


Das Bundesgesundheitsministerium schätzt die Zahl behandlungsassoziierter Infektionen auf jährlich zwischen 400.000 und 600.000, die der Todesfälle auf bis zu 15.000. Eine der wichtigsten Präventionsmaßnamen ist die Desinfektion der Hände, die laut Richtlinien des Robert-Koch-Instituts vor und nach jedem Patientenkontakt 30 Sekunden dauern soll. Bis zu zwei Stunden braucht eine Pflegekraft pro Schicht für die vorgeschriebene Desinfektion. Wenn dafür die Zeit fehlt, stehen Menschenleben auf dem Spiel.
»Wir tun alles dafür, die Menschen bestmöglich zu versorgen und zu pflegen«, betont Anika Dutschke, stellvertr. Personalratsvorsitzende des UKSH am Campus Lübeck. »Aber mit noch so viel Einsatz können wir nicht ausgleichen, dass an allen Ecken und Enden Personal fehlt« Bundesweit müsste es nach einer ver.di-Erhebung für eine sichere und gute Versorgung 162.000 Stellen in Krankenhäu-sern mehr geben, davon 70.000 Pflegefachkräfte. »Der Arbeitgeber ist verpflich-tet, die Gesundheit seiner Beschäftigten zu schützen«, betont Magda Tatter-musch »Es muss genug Personal zur Verfügung stehen, damit Patienten gesund und Pflegekräfte nicht selbst krank werden.«


ver.di fordert verbindliche Personalvorgaben per Gesetz, die für alle Kranken-hausbereiche gelten sollen. Die Bundesregierung hat Personaluntergrenzen für sogenannte pflegesensitive Bereiche auf den Weg gebracht. Aus Sicht von ver.di ist Pflege immer sensitiv, weshalb die noch zu erarbeitenden Vorschriften alle Pflegebereiche abdecken müssen und auch nur ein erster Schritt sein können. Die Personalausstattung müsse sich am konkreten Pflegebedarf der Patienten orientieren, so die Gewerkschaft. Zugleich fordert ver.di die Klinikbetreiber auf, Verantwortung für die Gesundheit ihrer Beschäftigten zu übernehmen und für Entlastung zu sorgen.